Volume 1 (2024) · Article 2-1 · German version
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Grote, K., Wegner, S., Gerardo B.J.S. & Metzner, A.
Community-Based Participatory Research (CBPR) wird häufig primär als ethischer Ansatz zur Einbindung vulnerabler Gruppen verstanden. Der vorliegende Beitrag argumentiert, dass CBPR darüber hinaus eine zentrale Voraussetzung für die methodische Qualität und epistemische Validität wissenschaftlicher Forschung darstellt. Anhand einer detaillierten Analyse eines empirischen Falles aus dem Bereich Gebärdensprachdolmetschen wird aufgezeigt, wie sich fehlende oder unzureichende Partizipation auf verschiedene Phasen des Forschungsprozesses auswirken kann, von der Entwicklung der Forschungsfrage über die Konzeption des Untersuchungsdesigns bis hin zur Datenerhebung, Auswertung und Interpretation der Ergebnisse.
Die Analyse macht deutlich, dass mangelnde Einbindung der betroffenen Communities zu grundlegenden methodischen Problemen führen kann, darunter unzureichend validierte Erhebungsinstrumente, nicht differenzierte Stichproben sowie nicht abgesicherte Schlussfolgerungen. Darüber hinaus wird gezeigt, dass diese Defizite nicht nur die Aussagekraft wissenschaftlicher Ergebnisse einschränken, sondern auch das Vertrauen marginalisierter Gruppen in wissenschaftliche Institutionen nachhaltig beeinträchtigen können.
Besondere Aufmerksamkeit gilt der Entwicklung und Anwendung sogenannter Gebärdensprachorientierter Leichter Sprache Plus (Sign Language Oriented Easy Language Plus, SEL+), die exemplarisch verdeutlicht, wie fehlende partizipative Abstimmung zu methodischen, sprachlichen und kulturellen Spannungen führen kann. Der Beitrag ordnet diese Problematik in einen größeren Kontext struktureller Machtverhältnisse und epistemischer Ungleichheiten im Wissenschaftssystem ein. Abschließend wird mit Deaf-Communities Based Participatory Research (D-CBPR) ein Ansatz vorgestellt, der die spezifischen sprachlichen, kulturellen und epistemischen Bedingungen tauber Communities systematisch berücksichtigt. Daraus wird die Forderung abgeleitet, Partizipation als eigenständiges Kriterium wissenschaftlicher Qualität zu verankern und entsprechende Leitlinien, etwa im Rahmen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), weiterzuentwickeln.
Grote, K., Wegner, S., Gerardo B.J.S. & Metzner, A. (2024). Die Bedeutung von CBPR für die Qualität von Forschung mit vulnerablen Gruppen [German version]. Deaf Journal, 1 , Article 2-1. Doi: http://dx.doi.org/10.13140/RG.2.2.26209.11366
Partizipative Forschung mit Gemeinschaften als Voraussetzung für wissenschaftliche Qualität
Unter Communities Based Participatory Research (CBPR) mit vulnerablen Gruppen versteht man einen kooperativen Forschungsansatz, der zum Ziel hat, forschungsrelevante Fragestellungen, Erfahrungen und Perspektiven von Mitgliedern einer marginalisierten Gruppe aktiv in die Forschung mit einzubeziehen und mit ihnen im Team gleichberechtigt (in manchen Aspekten sogar federführend) - von Anfang an sowie über den gesamten Forschungsprozess - zusammen zu arbeiten (Viswanathan et al., 2004).
CBPR demokratisiert die Forschung, indem die Rechte vulnerabler Gemeinschaften geschützt, ihre Würde nicht untergraben und Ungleichheiten beseitigt werden. Vulnerable Menschen werden nicht mehr auf Forschungsobjekte reduziert, sondern können aktiv als Expert*innen in eigener Sache auftreten und sich umfassend auf Augenhöhe im Forschungsteam an der Forschungsarbeit beteiligen.
Grote, K., Wegner, S., Gerardo B.J.S. & Metzner, A.
Das schließt auch das Recht der Deutungshoheit über sie betreffende, spezifische Forschungsaspekte ein, die ihnen von vornherein zugestanden und von Forschenden nicht streitig gemacht werden. Letzteres würde ihre Rolle als Expert*innen für die Belange ihrer Gemeinschaft und damit ihre kulturelle Identität untergraben.
DGS - Band 1 - Artikel 1-2 - 2024
Grote, K., Wegner, S., Gerardo B.J.S. & Metzner, A.
EN - Volume 1 - Article 2-2 - 2024
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IS - Volume 1 - Article 2-2 - 2024
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