Volume 1 (2024) · Article 3-2 · German version · secondary publication
Volume 1 (2024) · Article 3-2 · German version · secondary publication
Fenkart, L., Staudt, B., Sieprath, H., Leuninger, H.. Ni, D. & Grote K.
This video is a secondary publication. The original version was published in Das Zeichen.
Die Erfahrung, dass tauben Jugendlichen im Deutschunterricht die Funktionen und das Ziel von Aktiv- und Passivkonstruktionen große Schwierigkeiten bereiten, gab den Anstoß, deafdidaktisches Unterrichtsmaterial zur Erklärung dieser grammatischen Phänomene zu entwickeln. Wir vermuten, dass sich die Aktiv-Passiv-Konstruktionen der deutschen Laut- und Schriftsprache leichter und verständlicher erarbeiten lassen, wenn dabei vom Verständnis in der Erstsprache, also der Gebärdensprache, und dem entsprechenden deafdidaktischen Unterricht ausgegangen wird. Da die Existenz von Passivkonstruktionen in Gebärdensprachen unter Linguistinnen bislang umstritten ist, haben wir zunächst versucht, sie in der Österreichischen und der Deutschen Gebärdensprache (ÖGS und DGS) zu erforschen. Daraus entstand eine transnationale, explorative Studie, in der das Autorinnenteam Gebärdensprachvideos von Native Signer*innen aus Österreich (Wien) und Deutschland (Aachen) analysierte. Die Studie zeigt, dass in der ÖGS und der DGS (mindestens) drei Passivformen existieren. Die folgenden Ausführungen sollen weitere Diskussionen zu diesem Thema in der Gebärdensprachlinguistik anregen. Teil I der zweiteiligen Serie stellt zunächst den deafdidaktischen theoretischen Rahmen sowie den aktuellen Forschungsstand zu Passivkonstruktionen dar, bevor Inhalte und Methode der Studie sowie ihre empirischen Ergebnisse samt Diskussion vorgestellt werden.
Fenkart, L., Staudt, B., Sieprath, H., Leuninger, H.. Ni, D. & Grote K. (2023). DeafDidaktik-Unterrichtsplanung - Das Passiv in der Österreichischen und Deutschen Gebärdensprache (Teil 1).Das Zeichen, 121, 112-133.
Das DeafDidaktik-Team an der RWTH Aachen beschäftigt sich seit 2016 mit der theoretischen und praktischen Entwicklung eines Didaktikkonzeptes, das die sprachmodalitätsabhängigen semantischen Strukturen im kognitiven System tauber gebärdensprachkompetenter Menschen berücksichtigt (Grote, Sieprath & Staudt 2018 ). Diese induktive Form der Didaktik, für die ein situativ- sinnlich elaborierter Kontext, der über häufige Perspektivwechsel sowie räumliche und semantisch motivierte Verortungen generiert wird und wenig linear und hierarchisch organisiert ist, wird als „DeafDidaktik“ (DD) bezeichnet (s. Grote 2016,143 ).
Bislang wurden exemplarisch Unterrichtsmaterialien in den verschiedensten Fachbereichen erstellt: Deutsch (Dativ oder Akkusativ in den lokalen Präpositionen), Mathematik (Textaufgaben), Biologie ( der Aufbau einer Zelle) und vieles mehr. Alle bislang erarbeiteten Unterrichtsmaterialien und deafdidaktischen Erkenntnisse (still work in progress) wurden der breiten Öffentlichkeit erstmals gebündelt in einem ganztägigen Online- Workshop im Jahr 2021 vorgestellt (Grote et al. 2022 ).